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Kunst

100 Jahre Bauhaus

Das Bauhaus Logo von Oskar Schlemmer - der Mensch im Mittelpunkt
Das Bauhaus als Kunstschule ging aus der Kunstgewerbe-Bewegung und der Reformpädagogik der Vorkriegszeit hervor. Die zentrale Idee von Gropius und seinen Mitstreitern war, eine neue Art von Lehren und Lernen zu entwickeln, und ihr Ziel war ein Gesamtkunstwerk, das alle einzelnen künstlerischen Disziplinen im Bau vereinigen sollte. Handwerk und Kunst sollten wieder Hand in Hand gehen, um den Bau der Zukunft zu gestalten: „Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau! […] Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück! […] Der Künstler ist eine Steigerung des Handwerkers.“, so Gropius in seinem „Bauhaus-Manifest“.

Alles am Bauhaus basierte auf dieser Vorstellung: Die Ausbildung, in der die Studierenden sowohl durch Künstler als auch durch Handwerker angeleitet wurden; die „Formenlehre" und die „Werklehre" und die Zusammenarbeit aller Teilbereiche, wie es z.B. beim Versuchshaus „Haus am Horn“ in Weimar zu sehen ist; und nicht zuletzt auch der Name der Einrichtung selbst. Denn „Bauhaus“ nannte Gropius seine Schule auch in Anlehnung an die mittelalterlichen Bauhütten, in denen Handwerker, Kunsthandwerker, Künstler und Architekten beim Bau der großen Kathedralen jahre- und jahrzehntelang zusammenarbeiteten und -lebten.

In den Werkstätten des Bauhauses (Metallwerkstatt, Druckerei, Glasmalerei, Bildhauerei, Töpferei, Weberei, usw.) unterrichtete jeweils ein Künstler (ein sogenannter „Meister der Form“) gemeinsam mit einem Handwerksmeister. Als Lehrer konnte Gropius unter anderem die Avantgarde-Künstler Lyonel Feininger, Johannes Itten, Paul Klee, Oskar Schlemmer, Wassiliy Kandinsky und László Moholy-Nagy gewinnen.

Auch die Ausbildung selbst war avantgardistisch. Statt der traditionellen, rein akademischen Lehre an anderen Kunsthochschulen sollte am Bauhaus nicht nur die Trennung der einzelnen Disziplinen aufgehoben werden. Die Studierenden sollten ihr künstlerisches und gestalterisches Talent voll entfalten können, und zwar unabhängig von Geschlecht, Staatszugehörigkeit und Schulabschluss. Etwa die Hälfte der eingeschriebenen Studierenden waren Frauen und ca. ein Drittel kam aus dem Ausland, und niemand brauchte ein Abitur, um studieren zu können. Auch deshalb galt vielen, vor allem konservativen Zeitgenossen das Bauhaus, seine Lehrer, Schüler und Anhänger als „links“ und „internationalistisch“.

Unterricht und Schaffen am Bauhaus unterlag der Forderung nach einem Neubeginn der Baukultur. Die Baukunst sollte auch gesellschaftlichen Aufgaben dienen, und im Zentrum des künstlerischen Schaffens sollte der Mensch stehen. Für die Beurteilung eines Produkts waren vor allem dessen Effizienz und Nützlichkeit maßgebend.

Bis heute gelten Bauhaus-Kunst und Bauhaus-Architektur als Synonyme für die Moderne - auch, weil dank des offenen und multidisziplinären Ansatzes tatsächlich alle deutschen und europäischen Strömungen der Kunst der 20er Jahre vertreten waren: Expressionismus, Konstruktivismus, Neue Sachlichkeit, De Stijl, usw. Für den weltweiten und bis heute anhaltenden Erfolg des Bauhaus-Designs und der Bauhaus-Architektur war aber letztlich vor allem die Ausrichtung der Schule auf die technikorientierte Welt ausschlaggebend, sowie das Prinzip, dass die Werke funktional und für die industrielle Massenproduktion tauglich sein sollten. Diesem Prinzip verdanken wir Klassiker des industriellen Designs, wie z.B. die Wagenfeld-Lampe, die Weimar-Wiege von Peter Keler, Marianne Brandts Teekanne oder den aus Stahlrohr gefertigten Freischwinger-Stuhl von Marcel Breuer. 

Auch Plattenbauten und Fertighäuser sind ohne die grundlegenden Ideen der Bauhaus-Architekten undenkbar. Mit zahlreichen Mustersiedlungen, die heute zumeist zum UNESCO Weltkulturerbe zählen, prägte das Bauhaus außerdem die Vorstellung vom Sozialen Wohnungsbau, also der Schaffung von günstigem Wohnraum für eine wachsende Bevölkerung in den Großstädten durch die Rationalisierung aller Bauvorgänge und die industrielle Vorfertigung der Bauteile. Und schließlich ist das von Gropius entworfene Dessauer Bauhaus-Schulgebäude aus Glas und Stahlbeton natürlich selbst eine Ikone der architektonischen Moderne.

In den nur vierzehn Jahren, in denen das Bauhaus bestand (von 1919-24 als Staatliches Bauhaus Weimar, von 1925-31 als Hochschule für Gestaltung in Desssau, und von 1932-33 als private Lernanstalt in Berlin), durchliefen 1250 Studierende aus 29 Ländern die Ausbildung und trugen so maßgeblich dazu bei, dass die Ideen des Bauhaus nach der von den Nationalsozialisten erzwungenen Schließung 1933 in die ganze Welt verbreitet wurden. 

Viele der herausragenden Meister und Direktoren, wie Marcel Breuer, Mies van der Rohe, Herbert Bayer brachten durch ihre Emigration den Bauhaus-Stil in die USA, wurden dort zu einflussreichen Architekten und unterrichteten z.B. in Harvard oder am Black Mountain College. Maholy-Nagy gründete 1937 in Chicago das „New Bauhaus“ (heute Illinois Institute of Design). Die Stadt mit den meisten Bauhaus-inspirierten Gebäuden allerdings ist Tel Aviv – denn viele jüdische Bauhaus-Schüler emigrierten nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten nach Palästina. In Deutschland selbst lebten die Ideen des Bauhaus nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem im Westen fort, namentlich durch die von Bauhaus-Schülern 1953 gegründete Hochschule für Gestaltung in Ulm, deren Ideen und Absolventen das Industriedesign der jungen Bundesrepublik entscheidend mitprägten. 

Die gestalterischen Prinzipien des Bauhauses - Funktionalität, industrielle Massenfertigung und Zweckdienlichkeit - setzten sich somit national und international durch und sind bis heute nicht aus Architektur, Design und Kunst wegzudenken. Ebensowenig wie die Frage, die Gropius und seine Mitstreiter von Anfang an beschäftige, und die heute so aktuell klingt wie vor hundert Jahren: „Die brennendste Frage des Tages überhaupt: … Wie werden wir wohnen, wie werden wir siedeln, welche Formen des Gemeinwesens wollen wir erstreben?“

Zum hundertjährigen Jubiläum der Gründung finden ganzjährig unzählige Veranstaltungen statt, natürlich vor allem in Weimar, Dessau und Berlin, aber auch in vielen anderen Teilen Deutschlands.
Wie findest du die Kunst und Architektur des Bauhaus? Kennst du einige der im Artikel erwähnten Künstler, Werke und Gebäude? Gibt es in deinem Land oder in deiner Stadt Bauhaus-Architektur? Erzähle den anderen Lernern davon!